Schindlers Liste: Die echten Orte in Krakau. Was davon ist heute noch zu sehen?

Als Steven Spielberg 1993 'Schindlers Liste' veröffentlichte, schenkte er Krakau internationale Aufmerksamkeit — und einer ganzen Generation ein Bild der Stadt, das bis heute nachwirkt. Was viele nicht wissen: Spielberg drehte den Film großteils genau dort, wo die Geschichte wirklich geschah. Krakau bot ihm keine Kulissen, sondern Originalschauplätze. Als Stadtführerin, die seit Jahren Gäste durch diese Geschichte begleitet, zeige ich Ihnen, was davon heute noch zu sehen ist — und was sich verändert hat.

Kazimierz: Das Herz des Films

Kazimierz, das historische jüdische Viertel Krakaus, spielte im Film eine zentrale Rolle. Viele der eindringlichsten Szenen — die Liquidierung des Krakaür Ghettos, das alltägliche Leben der jüdischen Bevoelkerung — wurden hier in den engen Gassen gedreht. Spielberg wählte Kazimierz, weil das Viertel Anfang der 1990er Jahre noch weitgehend unrenoviert war und die historische Atmosphäre der Vorkriegszeit authentisch widerspiegelte.

Heute ist Kazimierz lebendiger denn je: Die Szeroka-Strasse, die im Film als zentraler Schauplatz dient, ist von Restaurants, Cafes und Kultureinrichtungen gesäumt. Die Remuh-Synagoge und der angrenzende jüdische Friedhof mit Grabsteinen aus dem 16. Jahrhundert sind erhalten und zugänglich. Wer die Filmszenen kennt, erkennt die Gassen sofort wieder.

Der Platz der Ghetto-Helden in Podgorze

Im wirklichen Krakau lag das Ghetto nicht in Kazimierz, sondern im gegenüberliegenden Stadtteil Podgorze, jenseits der Weichsel. Der heutige Platz der Ghetto-Helden (Plac Bohaterow Getta) war der Sammelplatz für Deportationen. Im Film taucht er in der erschütternden Szene auf, in der Schindler vom Hügel aus die Räumung des Ghettos beobachtet und das Mädchen im roten Mantel sieht.

Heute erinnert ein eindrückliches Denkmal — 70 leere, überdimensionale Stühle — an die Menschen, die von hier deportiert wurden. Das Mahnmal wurde 2005 eingeweiht und gehoert zu den bewegendsten Orten in ganz Krakau.

Die Apotheke zum Adler

Ebenfalls am Platz der Ghetto-Helden befindet sich die Apotheke zum Adler, die im Film eine Nebenrolle spielt und in Wirklichkeit ein Ort des Widerstands war. Ihr Inhaber, Tadeusz Pankiewicz, war der einzige nichtjüdische Einwohner, dem erlaubt wurde, im Ghetto zu bleiben. Er nutzte die Apotheke, um jüdischen Bewohnern zu helfen — mit Medikamenten, Informationen und manchmal auch mit dem Verstecken von Menschen. Heute ist die Apotheke ein kleines, sehr persoenliches Museum.

Die Fabrik von Oskar Schindler

Das Herzück jeder Schindlers-Liste-Tour ist natürlich die Fabrik selbst: die ehemalige Deutsche Emailwarenfabrik (Emalia) in der Lipowa-Strasse, wo Schindler tatsächlich mehr als 1.000 jüdische Arbeiter beschäftigte und so vor der Deportation rettete. Im Verwaltungsgebäude — genau das Gebäude, das man aus dem Film kennt — befindet sich seit 2010 ein brillantes Museum zur Krakaür Besatzungsgeschichte 1939-1945.

Ich besitze eine offizielle Lizenz, um in diesem Museum Führungen durchzuführen. Die Ausstellung ist interaktiv und emotional; sie erzählt nicht nur von Schindler, sondern von der ganzen Stadt und all ihren Bewohnern während dieser Jahre. Geplante Zeit: mindestens zwei Stunden.

Tipp: Tickets sollten wochen- bis monatsweise im Voraus gebucht werden. Ich übernehme die Reservierung für meine Gäste.

Was der Film nicht zeigt: Plaszow

Das Arbeitslager Plaszow, in dem die Schindler-Juden vor ihrer Rettung inhaftiert waren, lag südlich des Ghettos auf einem Hügel. Heute ist das Gelände ein stiller, grasbedeckter Park ohne auffällige Bebauung — nur wer weiss, was hier geschah, sieht die Erdhügel der ehemaligen Baracken und das Denkmal für die Opfer. Ein eindrücklicher, fast vergessener Ort, der selten in Stadtführungen vorkommt. Ich nehme meine Gäste gerne dorthin.

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Das Jüdische Viertel Kazimierz: Geschichte und lebendige Gegenwart

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Krakau in 3 Tagen: Der perfekte Reiseplan für deutschsprachige Besucher